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Jacques Callot, Radierung, Frankreich um 1620

Radierung von Callot, Jacques (1592-1635).

Sehr schöne Radierung von Jacques Callot, um 1620.
„Ansicht von Frankreich, Paris - Les Deux Grandes Vues de Paris“.
Dekorative Radierung auf Bütten, um 1620.
Grösse: 34 x 16,2 cm.


 

Künstlername: Callot, Jacques
ThB-Name: Callot, Jacques
Zweitname: Callot, Giacomo
Geschlecht: m
Künstler. Beruf: Radierer; Zeichner; Kupferstecher
GEO-Nachweis: Lothringen / Lorraine
Staat (1990): Frankreich; Italien / France; Italy
Geburtsdatum: 1592.03.25/1592.08.21
Geburtsort: Nancy
Todesdatum: 1635.03.24
Todesort: Nancy
Erwähnungsort: Rom; Florenz; Nancy
Fundstelle: AKL XV, 1996, 608

Callot, Jacques, lothring. Kupferstecher, Radierer, Zeichner, *zw. 25.3. und 21.8.1592 Nancy, †24.3.1635 ebd., außerdem in Rom und Florenz tätig. Enkel von Claudon C. (Bogenschütze der Wache des Herzogs von Lothringen und Gastwirt, am 29.7.1584 geadelt), Sohn von Jean C. (*um 1562) und Renée Brunehault (Tochter eines Chirurgen der Herzogin Chrétienne de Danemark), Bruder von Jean C. (†1666). Nach Ber. von Félibien habe der heranwachsende C. zweimal versucht, nach Italien zu fliehen, und sei in Florenz Schüler von Remigio Cantagallina gewesen, was nicht unwahrsch., jedoch auch nicht nachg. ist. Ab 16.1.1607 vierjährige Lehre bei dem Goldschmied und Graveur der Münze von Nancy, Demange Crocx; unbek. ist, ob C. die gesamte Ausb. dort absolvierte. Zu dieser Zeit signiert er seinen ersten Kpst., ein Portr. von Charles III. Vermutl. versucht er sich bereits auch im Radieren (Choné, 1996), findet Kontakt zum Kreis um Jacques Bellange und verfolgt das 1610 von Friedrich Brentel ed. große verleger. Unternehmen "Trauerfeierlichkeiten für Charles III". Unzureichend dok. ist C.s Abreise nach Rom zw. 1608 und 1611, wo er Gehilfe des Kupferstechers Philippe Thomassin wird, Kopien nach Vertretern der Fam. Sadeler (Sénéchal, 1994) und die Folge Tableaux de Rome (Loire, in: Ternois, Actes du colloque Nancy-Paris 1992, 91-136) sticht. Er begegnet wahrsch. Antonio Tempesta und Francesco Villamena (Dillon, in: ibid., 65-90). Ab E.1611 in Florenz, radiert C. unter Ltg von Tempesta 18 Bll. für Trauerfeierlichkeiten für die Königin von Spanien. 1612/13 signiert er versch. Bll. nach anderen Meistern (Die Hölle nach Bernardino Poccetti; Die Hl. Familie nach Andrea del Sarto; Das Große Ecce Homo nach Jan van der Straet) und nach eig. Vorlagen sowie die Stammbäume der Fam. des Porcelets und del Turco. Im Juni 1614 zus. mit den Goldschmieden Odoardo Vallet und Martino di Matteo als "garzone" in den Uffizien nachweisbar. Dann beginnt eine Periode von fast sieben Jahren intensiver Tätigkeit, in der C. Florenz wahrsch. nicht verläßt. Sein Interesse an dekorativer Ornamentik sowie an den Techniken von Goldschmieden und Kunsttischlern führt zu ersten Experimenten, während Lehre und Vorbild von Giulio Parigi ihm helfen, sein zeichner. Talent zu disziplinieren und ihn in die Kenntnis der Topogr. und Mathematik einführen. Ab Okt. 1614 gehört er offiziell zur "Galleria" des Großherzogs und bekommt eine Wkst. in den Uffizien neben der von Giovanni Bilivert. Er beginnt sofort mit der Arbeit am Leben Ferdinands I von Medici, sticht ein Bildnis Francesco de Medici und radiert die Trauerfeierlichkeiten für Francesco de Medici. Von da an widmet sich C. fast ausschl. der Radierung. 1615 stellt er auf zwei Bll. nach Zchngn von Parigi das Fest der Ankunft Amors in der Toscana dar und beginnt mit der Ill. der Wunder des Verkündigungsbildes aus Sta. Annunziata in Florenz von P.Giovanni Angiolo Lottini (Fi. 1619). 1616 fertigt er für den Karneval vier Rad. zum Liebeskrieg und stellt Antonio Francesco Lucini als Gehilfen an, der auch in Lothringen in C.s Diensten bleiben wird. Im Sept. sticht C. für ein nächtl. Reiterballett anläßl. des Einzuges des Prinzen von Urbino die sechs Bll. Der Krieg der Schönheit. 1617 fertigt er nach Vorlagen von Parigi Ill. zu dem im Teatro Mediceo aufgeführten Stück die Intermedi und widmet Lorenzo de Medici die Folge Capricci, für die er erfolgreich mit neuen Techniken experimentiert: Grundierung der Kupferplatten mit hartem Firnis, Verwendung der "échoppe couchée" in Verbindung mit wiederholten Ätzvorgängen und die stark anschwellende bzw. sich hauchdünn verjüngende "einfache" Linie ("taille simple"), mit der er die Wirkung der Feder-Zchng erzielt. Ferner erhält er von Giovanni de Medici den Auftrag für die Rad. Die Belagerung von Gradisca, die Anlaß zu einem regen Briefwechsel ist, für der jedoch bis noch kein Abzug gefunden wurde. 1618 sticht C. Die drei Pantalone; Les Armoiries des Médicis aux Sirènes und ein Portr. von Donato dell’Antella, 1619 Kampf der vier Galeeren; Der Fächer; Der Katafalk des Kaisers Matthias, das Portr. von Peri sowie Plans et vues des édifices de la Terre Sainte. 1620 erscheint die Tragödie Il Solimano von Guidubaldo Bonarelli mit sechs Stichen von C. Am 25.3. offeriert er dem Großherzog sein Meisterwerk, den Jahrmarkt von Impruneta. Im selben Jahr erscheinen die Regeln der Ritter des hl. Stephanus mit einem von C. gestochenen Titelblatt. Im Febr. 1621 in den Rechnungsbüchern der Medici nur noch anläßl. der Trauerfeier von Cosimo II nachw., dessen Portr. er für die Grabrede ausführt. Im Frühling des Jahres kehrt er nach Nancy zurück (Umstände kaum dok.), von wo er sehnsüchtige Briefe an seine Florentiner Gönner sendet. Von 1621 bleibt C. bis zum Tod dort und unternimmt ledigl. Reisen nach Paris und in die Niederlande. Wahrsch. kurz nach der Ankunft in Nancy radiert er erneut die Capricci und den Jahrmarkt von Impruneta. 1623 erste Zahlung von Herzog Henri II für Münzstiche und erste größere Zuwendung von letzterem, um C. in Lothringen zu halten. Am 8.11.1623 Heirat mit Catherine Kuttinger, Tochter eines wohlhabenden geadelten Schöffen aus Marsal (keine Kinder). Im selben Jahr Titelblatt zur Ste Apocatastase von Père André de l’Auge, Superior der Cordeliers von Nancy. Wahrsch. dank der beträchtl. Mitgift der Ehefrau ist C. 1624 in der Lage, das von ihm bereits ab Juni 1623 gemietete Haus (Neuve Rue) zu erwerben. Von da an führt er das Leben eines wohlhabenden Grundbesitzers, der bald in der Stadt, bald in seinen Landhäusern in Houdemont und Bainville lebt und ein umfangreiches Vermögen sowie landwirtschaftl. Güter verwaltet. 1624 erhält er den offiziellen Titel "chalcographe" des Herzogs von Lothringen. Stellt seine Kunst erneut der raffinierten symbol. Theologie der lothring. Franziskaner zur Verfügung (Das kleine Thesenblatt; Marienlob). 1625 radiert er für Prinz Nicolas-François de Vaudémont Das große Thesenblatt (Pont-à-Mousson, Univ.) und zeigt mit dem Parterre de Nancy eine idealisierte Darst. vom Pal. des Herzogs und dessen Gärten im Frühjahr mit Figurenstaffage. Im Febr. 1626 erhält er von der Infantin Clara Isabella Eugenia, Statthalterin der Niederlande, die erste Zahlung für die Belagerung von Breda. Am 17.6. verpflichtet C. für vier Jahre den aus dem Hospital St-Julien entflohenen 16jährigen François Collignon als Lehrling. Am 31.10. bewilligt Herzog Charles IV eine Sonderzuwendung, vermutl., um C., der in den Dienst der span. Erzherzöge treten könnte, in Lothringen zu halten. Unterdessen arbeitet er weiter an lothring. Werken, bes. Frontispizien von Büchern, wie z.B. Les Saintes antiquités de la Vosge von Jean Ruyr. Im Febr. 1627 zus. mit dem Maler Claude Deruet Hauptorganisator des von Charles IV zu Ehren der Duchesse de Chevreuse veranstalteten "carrousel" (Turnier) Combat à la Barrière, wofür C. das Textbuch illustriert. Im Sommer 1627 vollendet C. in Nancy den Stich Belagerung von Breda, wofür die Kupferplatten im Okt. druckfertig sind. Im Jan. 1628 trifft er versch. Vereinbarungen betr. Hrsg. und Vertrieb seiner Arbeiten sowie den Druck der Legenden, den der von ihm in Antwerpen besuchte Balthasar Moretus übernimmt. Lt. Félibien wird C. 1628 von Ludwig XIII. nach Frankreich gerufen, um Zchngn der Belagerungen von La Rochelle und Saint-Martin-de-Ré zu fertigen, nach denen er in Paris sticht. Gesichert ist, daß C. im Jan. und Nov. 1629 in Paris (Ile de la Cité) ist und Kontakt zu seinem Freund und Landsmann, dem Kpst.-Verleger und -händler Israël Henriet hat, dem er den Durchzug durch das Rote Meer widmet. Im Juni wird C. per Anweisung des Herzogs für den Arbre généalogique de la Maison de Lorraine entlohnt. E.Aug. empfängt Charles IV in Nancy Gaston d’Orléans, den Bruder des Königs; lt. Félibien gibt C. ihm Unterricht im Federzeichnen, v.a. im Fach Lsch. (Paysages pour Gaston d’Orléans, Zchngn, Chatsworth, Schloß). Im Jan. und Dez. 1630 weitere Aufenthalte in Paris. Am 4.2.1630 verkauft C. dem Arzt von Gaston d’Orléans, Charles Delorme, von dem er auch ein esoter. Portr. ausführt, die 12 Platten mit den Darst. der Belagerungen von Saint-Martin-de-Ré und La Rochelle; im selben Jahr Titel-Bl. für die Miracles de Notre-Dame de Bonsecours. Ein naiver, jedoch naturgetreu von Collignon 1630 ausgef. Stich zeigt C. bei der Arbeit in seinem Haus in Nancy. 1631 Mitgl. der Marienbruderschaft der Jesuiten von Nancy, wo er neben dem Staatsrat François Rennel (Verfasser der Verse in C.s beiden Emblem-Slgn) und dem Maler Jean Le Clerc einen hohen Rang einnimmt. Im Nov. 1630 und im Jan. 1631 wieder in Paris. Durch die Bll. Belagerung von Saint-Martin-de-Ré und Belagerung von La Rochelle wird C.s Ansehen in Frankreich bekräftigt; mit der Schlacht bei Avigliano wird im selben Jahr der Sieg von Marschall d’Effiat über Savoyen gefeiert. Im April wohnt C. in Paris bei Henriet und vereinbart (lt. Félibien), ihm die Verlagsrechte für alle seine künftigen Stiche zu überlassen. Henriet gibt für den Freund die Ser. Marienleben, die letzten Bll. zur Großen Apostelserie (Martyrium Apostolorum), heraus. 1632 Portr. von Claude Deruet. Im Sept. 1633 Einzug von Ludwig XIII. und Richelieu in das von frz. Truppen besetzte Nancy. Nach einer nicht nachprüfbaren Anekdote (Félibien) weigert sich C. standhaft, die Belagerung der Stadt in einem Stich darzustellen. Im selben Jahr veröffentlicht Henriet in Paris die Misères et les malheurs de la guerre, gen. Les Grandes Misères de la Guerre. Am 9.12.1634 unterzeichnet C. den von den Lothringer Notabeln geforderten Treueeid auf den König. 1635 dat. Bll.: das Titel-Bl. zu den Règlements des Pénitents blancs de Nancy und die in Paris von Henriet ed. Folgen Exercices militaires; Der verlorene Sohn; die zweite Versuchung des hl. Antonius; Fantaisies. Am 15. und 18.3. verfaßt C. sein Testament, in dem er bes. den Verbleib der in seinem Bes. befindl. Kupferplatten regelt (21.4.-7.5. Inv. des Nachlasses, der zw. der Witwe und dem Bruder Jean aufgeteilt wird). Am 15.7. überläßt Jean C.s Witwe die vom Bruder geerbten Kupferplatten. Henriet verlegt noch das Neue Testament; Die kleine Weinlaube und 1636 die Petites Misères de la Guerre sowie die Heiligenbilder und die bewegl. Feste des Jahres. 1662 überläßt C.Kuttinger dem Kupferstecher und Kpst.-Verleger Israël Silvestre ihre Kupferplatten. Der Kat. zur Ausst. 1992 in Nancy enthält eine sehr detaillierte chronolog. Biogr. mit allen veröff. und unveröff. Arch.-Dok. und Zeitzeugnissen. – Während C.s Wertschätzung als Stecher stets gleichbleibend hoch war und ist, wurde sein zeichner. Oeuvre bis kurz nach dem 2.WK völlig verkannt. Dessen Aufarbeitung und Publ. (Ternois, 1962) offenbaren, mit welcher Sorgfalt C. die Bearbeitung der Kupferplatten mittels Stud. in schwarzer Kreide und Rötel sowie freien, lichten Tuscheskizzen vorbereitete. Zugleich wurden der von ihm verfolgte Stil, seine Techniken sowie die schöpfer. Position zw. Manierismus und Barock durch die Neubewertung der Lothringer wie auch der Florentiner Kunst vom E.16./17.Jh. erhellt. Die Zchngn aus C.s Jugendzeit (Pferde-Ser., Feder, nach Tempesta, Karikaturen, anatom. Zchngn nach Ludovico Cigoli) und die erste Version der Versuchung des hl. Antonius zeugen davon, mit welchem Eifer und welcher Phantasie C. sich die Florentiner Kultur aneignete. In den letzten Jahren haben Forsch. zu seinen Inspirationsquellen bes. das Gebiet des umfangreichen Bühnenschaffens erhellt; dazu erdachte C. geschickte Verfahren für die räuml. Komp., die dazu dienten, die Zuschauermenge, die dramat. Handlung ebenso wie die Schauspieler zur Geltung zu bringen. Die Historiker, die sich mit der Commedia dell’arte befaßt haben, lenkten die Aufmerksamkeit erneut auf die Folge Balli di Sfessania (Mamone, Mamczarz, in: Ternois, Actes du colloque Paris-Nancy 1992). Gleichzeitig offenbarten die Forsch. C.s Einbindung in eine erneuerte trident. Ikonogr. (Die große Apostelserie; Die große Passion; Die kleine Passion), seine Beherrschung subtiler symbol. Codes, seine Kenntnisse in Geometrie, Fortifikation sowie der polit.-jurist. Problematik in einer turbulenten Zeit. Die neuesten Forsch.-Arbeiten haben auf die Charakterisierung der beiden Ausdrucksmittel ("les deux langages") (Ternois, Kat. Nancy, 1992) Nachdruck gelegt. Bei der Ausst. 1992 in Nancy wurden erstmals druckgraph. Bll. und Vorzeichnungen systemat. gegenübergestellt, um die Entstehungs-Gesch. der Werke, C.s Arbeitsmethoden, seine Hs. und seinen Einfallsreichtum transparent zu machen.

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